Hams, Karl 2017-05-24T11:32:13+00:00
Name: Karl Hams
Straße: Rosenweg 64
Wohnort: 46414 Rhede
Telefon: 02872 / 3866
Funktion: Stellv. Obmann G S gro�e Rassen
E-Mail: darwinaus@freenet.de
Webseite: Homepage
Anmerkung: Gro�sittiche Papageien

 

Über Karl Hams

Züchtet seit 1967 Vögel. Seine Mutter schenkte ihm zu einem persönlichen Fest einen Wellensittich und fortan war er mit der Vogelzucht und Haltung verbunden. Seine Liebe zu den Gefiederten ließ ihn zunächst Wellensittiche, dann andere australische Großsittiche pflegen. Es kamen dann die afrikanischen Papageien und südamerikanischen Sittiche dazu. Im Verein der Vogelliebhaber Bocholt und Umgebung ist er seit den Anfangszeiten dabei. Auch in der AZ ist er seit vielen Jahren. Er wurde Weltmeister, Deutscher Meister, Vereinsmeister und Spartensieger. Tips und Tricks zur Vogelhaltung und Zucht verrät er an den Vereinsabenden. Außerdem ist er begeisterter Hobbyfilmer, der auch in den Weiten Australiens verschiedene Filme als zweiter Kameramann wunderschöne Filme über die Natur und Vogelwelt gedreht hat. Der tägliche Kontakt zu den Tieren und die Freude an Farben lassen den begeisterten Vogelfan immer wieder ins schwärmen kommen. In seinen 25 Volieren hält er etwa 50 Tiere, die mit Quellfutter und Obst, selbst gesammelten Beeren und Unkrautsämereien versorgt werden.
Als frisch gebackener Rentner freut er sich, daß er nun viel mehr Freizeit hat und den Vögeln die Zeit widmen kann.

Referat über Handaufzuchten von Papageien durch Karl Hams
Mehr als dreißig Jahre Erfahrung sprechen eine besondere Sprache

Einleitung
Für eine Handaufzucht sprechen verschiedenste Gründe wie:
1.) Verlassene Gelege
2.) Tod eines Elternteils
3.) Schlechtes Brüten
4.) Eier werden beschädigt oder gefressen
5.) Mehr Gelege pro Jahr
6.) Jungtiere werden nicht oder zu wenig gefüttert
7.) Rupfen durch die Elterntiere
8.) Aggressives Verhalten der Altvögel
9.) Arterhaltung durch den Menschen
10.) Profitgier des Menschen

Zunächst wollen wir uns mit der Problematik der ersten fünf genannten Punkte beschäftigen, sie werden zusammengefaßt zur Rubrik

Kunstbrut:
Bevor wir uns der Kunstbrut widmen sei gesagt, dass es von größtem Vorteil ist, ein Ersatz Brutpaar zu besitzen, um eine natürliche Bebrütung des Geleges zu bekommen.
In den Fällen, in denen die Henne nicht oder nicht zuverlässig brütet, bei seltenen Paaren, bei scheinbar gut brütenden Tieren, wo die Jungen trotzdem nicht schlüpfen, ist es vorteilhaft zu einer Kunstbrut über zu gehen. Bei nicht zuverlässigen Brüterinnen kann der Versuch gestartet werden, die Eier für einige Zeit durch gleich große Kunststoff Eier auszutauschen und später wieder unter zu legen.
Eine Entnahme des Geleges sollte gut vorbereitet sein. Ein kleines Gefäß, mit Watte oder Futter zur Hälfte gefüllt, wird in einen Plastikeimer gestellt. Beschädigte Eier kann man mit Nagellack oder Uhu abdichten. Diese Reparatur hat erfahrungsgemäß bis heute keinen nachteiligen Einfluß auf den Embryo oder die Schlupffähigkeit genommen. Die Eier sollten außerdem mit Wasserfesten, dünnen Stiften markiert werden.
Die Eier der Papageien können maximal eine Woche gelagert werden, ohne dass der Embryo Schaden nimmt. Eier oder Gelege kleinerer Vogelarten sollten nicht so lange zwischengelagert werden. Diese noch nicht angebrüteten Eier müssen pro Tag mindestens zweimal um die Achse vor und zurück gedreht werden. Bei mehrmaligem Drehen nur in eine Richtung kann es zum Abriß der sogenannten Hagelschnur kommen und der Winzling stirbt ab. Die Temperatur während der Zwischenlagerung sollte 15 – 20 Grad nicht über oder unterschreiten. Die beste Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 75 und 80 %.
In der Zwischenzeit kann man sich Gedanken machen welche Art von Brutapparat am günstigsten ist. Es gibt einfache Geräte, die etwa 70 Euro kosten, aber auch andere High Tech Maschinen, die mehrere tausend Euro teuer sind. Wichtig ist, dass die Geräte zuverlässig arbeiten, das heißt, das einmal eingestellte Temperaturen gehalten werden. Maximale Abweichungen von einem Zehntel bis zwei Zehntel Grad sind noch akzeptabel.

Es wird unterschieden in
1.) Flächenbrütern und
2.) Umluftbrütern.

Flächenbrüter sind bei weitem nicht so gut, wie die Umluftbrüter. Die Luft ist innerhalb des Gerätes unterschiedlich warm, das wurde in verschiedenen Versuchen mit mehreren Fieberthermometern bewiesen. Bis zu drei Grad betrugen die Abweichungen und das ist völlig inakzeptabel.
Versuche, gleichzeitig von Ammenvögeln und maschinell die Eier ausbrüten zu lassen führten immer zu dem Ergebnis, dass das Schlupfergebnis der von Ammenvögeln bebrüteten Gelege besser war.

Einige Gründe dafür können sein:
Der Standort des Brutapparates wird vielfach zu wenig beachtet. Eine relativ konstante Temperatur mit etwa 40 bis 50% Luftfeuchtigkeit und ausreichender Frischluftzufuhr ist zu bevorzugen. Falls das Brutgerät in der Nähe eines Fensters aufgestellt wird, sollte auf Zugluft geachtet werden, sie ist nicht nur für Vögel und andere Lebewesen schlecht, auch für nicht ausgebrütete Eier. Die Brutmaschinen reagieren unterschiedlich, wobei mit Temperaturschwankungen im Innern zu rechnen ist.

Bewegung der Gelege, hier sind die automatischen Brutgeräte sicher im Vorteil. In ihnen werden die Eier zwischen 12 und 48 Mal pro Tag ellipsenförmig vor und zurück bewegt. Je häufiger die Eier gedreht werden, desto höher ist die Schlupffähigkeit. Es hat sich bewährt, die Eier zu markieren, um zu sehen, wie weit sie bewegt wurden. Dabei sollten alle Eier in der Brutmaschine gleich markiert werden, damit man weiß, welche Eier wie weit gedreht wurden. Falls die Gelege von Hand gewendet werden, sollte nicht schnell hintereinander gedreht werden, sondern über den Tag verteilen. Auf die Wendungen kann nicht verzichtet werden, wenn es keine Gewähr gibt, muß auf die automatische Einrichtung der Brutmaschine zurückgegriffen werden. Besonders wichtig sind die Bewegungen in den ersten Tagen nach der Eiablage. Versuche haben gezeigt, dass die Eier, die in den ersten Tagen nicht gedreht wurden allesamt abgestorben waren und zwar nicht direkt, aber in der zweiten Hälfte der Brutdauer. Die Eier, die ab der zweiten Hälfte nur noch vereinzelt gedreht wurden, gelangten teilweise noch zum Schlupf. Wichtig ist bei der Kontrolle der Eier, ob sie befruchtet sind, sie nicht kalt werden zu lassen. Sie sollten 1 bis 2 Mal pro Tag etwa 5 bis 10 Minuten belüftet werden. Die Temperatur im Innern des Brutkastens sollte bei Bebrütung von Papageieneiern konstant bei 37,2 Grad Celsius liegen. Geringfügig höhere Temperaturen führen zu einem etwas früheren, niedrigere Gradzahlen dagegen zu einem späteren Schlupf.

Ist der Brutapparat der Sonne ausgesetzt, können die erhöhten Temperaturen allerdings zu einer geringeren Schlupfrate führen. Die Luftfeuchtigkeit im Brutkasten soll zwischen 40 und 50 % sein, während der Schlupfphase soll sie sogar auf 60 % erhöht werden.

Während der Brutphase verliert das Ei an Gewicht, nicht der Embryo. Durch den Gasaustausch über die Poren der Eischale wird ein Teil der Flüssigkeit abgegeben. Um ein Austrocknen zu vermeiden, muß auf eine gute Luftfeuchtigkeit geachtet werden. Je höher diese ist, desto niedriger ist die Gewichtsabnahme. Somit läßt sich das Gewicht durch die Gabe von Wasser steuern. Etwa 15 % des tatsächlichen Gewichts darf verloren gehen, ohne dass es zu Schäden kommt. Versuche und Statistiken haben folgendes gezeigt: Ein Ei wird am Tag des Legens gewogen, eine Diagonale wird bis auf 15% gezogen, geringfügige Abweichungen von höchstens 2% pro Tag sind vertretbar. Bei anderen Werten muß sofort die Luftfeuchtigkeit angepaßt werden.

Nun kommen die Punkte sechs bis zehn zur Vervollständigung hinzu.

Der Tag des Schlupfes
Kurz vor dem Schlupf wird eine Wärmebox auf etwa 36,5 bis 37 Grad aufgeheizt.
Das geschlüpfte Küken wird vorsichtig und zunächst allein in eine kleine Schüssel, die mit Küchenpapier ausgelegt wurde, gesetzt. Dem kleinen Vogel wird außerdem zur Kopfunterstüzung ein kleines, ebenfalls aus Küchenpapier geformtes, Kissen in die Schüssel gelegt. Kurz und gut, dem kleinen Vogel wird ein kleiner Sessel gebaut. Nachdem der Vogel trocken ist, erfolgt

die erste Mahlzeit
mit Molke, sie besteht aus ausgesuchten Bakterienkulturen und überwiegend rechtsgedrehten Milchsäuren mit 0,5% Eiweiß und 0,1 % Fett und dient zur Herstellung der Darmflora.

Die weitere Fütterung
Die besten Erfahrungen wurden mit dem Präparat der Fa. Quiko gemacht. Es heißt Quikon und wird laut Verpackungsanweisung gegeben. Dieses Präparat setzt sich unter anderem aus 22% Protein, 8% Fett und den lebenswichtigen Lactobacillen zusammen. Der zwischen 38 und 40 Grad warme Brei wird mittels Spritze zunächst alle zwei Stunden verabreicht. Die Fütterungszeiten verändern sich mit dem Alter des Vogels. Sind die Tiere zunächst noch allein in einer Schüssel untergebracht, werden nach einigen Tagen, wenn möglich, drei bis vier zusammen in das Behältnis gesetzt. Das fördert die sozialen Bindungen und die Vögel wärmen sich gegenseitig. In den ersten vier Tagen wird während der Nacht alle zwei Stunden gefüttert. Dann wird etwa drei bis fünf Nächte die Nahrung alle drei Stunden gegeben. Tagsüber bleibt es beim Intervall von zwei Stunden. Je nach Verfassung der Kleinen wird nach ca. zwei Wochen der Rhythmus erneut verändert, gegen 23.00 Uhr wird die letzte und am Morgen gegen 6.00 Uhr die erste Mahlzeit verabreicht.

Eine weitere Möglichkeit, womit gute Erfahrungen gemacht wurden.
Die erste Mahlzeit wie bereits oben beschrieben, anschließend wird mit Lori Food und Molke, etwa sechs bis zehn Tage gefüttert.

Ab dem zehnten Tag wird in beiden Fällen eine Umstellung des Futters auf P T – Food durchgeführt. Dieses Produkt beinhaltet 18,5% Rohprotein und 6% Fett. Zunächst wird es auch ziemlich flüssig gegeben, mit zunehmendem Alter jedoch wird auch der Brei dickflüssiger. Die Umstellung des Futters geschieht aus Kostengründen.

Aufbewahrung des Futters
Grundsätzlich wird immer nur die Tagesration aus der Originalverpackung entnommen. Die Behältnisse werden vor dem Kauf auf das Haltbarkeitsdatum überprüft und im Kühlschrank, bzw. in der Kühltruhe aufbewahrt. Besonders sollte auf das Haltbarkeitsdatum geachtet werden, denn aus Erfahrung kann gesagt werden, dass die Haltbarkeitsdaten nicht immer eingehalten werden. Die Produkte werden dadurch vorzeitig ungenießbar, evtl. durch unsachgemäße Lagerung oder Beschädigung der Verpackung.

Wichtig
Die Differenz zwischen Wärmebox und Umgebungstemperatur bei der Fütterung darf nicht zu groß sein. Hier hat sich der Einsatz eines Wärmestrahlers empfohlen.

Die Nahrung sollte nicht zu dickflüssig sein, lieber öfter füttern, damit es nicht zu Verdauungsstörungen kommt.
Falls es doch einmal zu Störungen im Magen Darm Trakt kommen sollte, kann meist mit Kümmeltee und oder Molke eine Besserung herbeigeführt werden.
Die Temperatur der Nahrung soll die angegebenen Werte nicht über oder unterschreiten. Überschreitungen können Verbrennungen im Kropf verursachen, unterschreiten die Werte massiv die 38 Grad, wird es unweigerlich zu Verdauungsproblemen kommen.
Die Abstände der Fütterungsintervalle richten sich nicht direkt nach der Uhr, sondern an der Füllung des Kropfes. Erst wenn der Kropf leer ist, ist der richtige Zeitpunkt zur Fütterung gekommen.
Das die Utensilien, die zur Fütterung gebraucht werden, stets in einem sauberen Zustand sein müssen, versteht sich von selbst. Auch der Schnabel des kleinen Vogels wird nach den Mahlzeiten ordentlich gereinigt. Es wird außerdem auf eine ruhige Umgebung während des Fütterungsvorganges geachtet, es darf keine Hektik aufkommen. Der Vogel soll nicht durch Geräusche oder Bewegungen abgelenkt werden.

Es gibt verschiedene Fütterungsmethoden, von denen jedoch mit der Futterspritze die besten Erfahrungen gemacht werden konnten. Ein Nachteil ist allerdings, dass etwas gröbere Bestandteile des Futters die Spritze verstopfen können.
Fütterung mit dem Löffel ist sehr zeitaufwendig und die Kleinen sehen hinterher aus wie bekleckerte Babys. Die Nahrungsaufnahme und Säuberung dauern sehr lange.

Der Vorteil der Sondenfütterung ist ohne Zweifel die Schnelligkeit. Es soll jedoch nur von geübten Vogelhaltern durchgeführt werden, denn allzu schnell wird die Sonde in die Luftröhre eingeführt. Das wäre ein jähes Ende für ein Vogelküken. Bei der Sondenfütterung wird auch den Schluckbewegungen bzw. Schluckreizen nichts abverlangt, was sicher ein Nachteil bei der späteren Nahrungsaufnahme sein kann.

Einstreu
Nachdem zunächst ein weiches Küchenpapier als Unterlage diente, wird nach etwa zwei Wochen ein Kleintierstreu als Bodenbelag in die Schüssel gegeben. Sobald die kleinen Vögel anfangen an den Hobelspänen zu knabbern, kann auf Haferflocken als Bodenbelag umgestellt werden.

Selbständigkeit
Wenn die Kleinen Vögel älter werden und immer häufiger an den angebotenen Sämereien knabbern, wird die Versorgung durch die Futterspritze immer seltener. Es kann über Tag auch die eine oder andere Mahlzeit ausbleiben. Es gibt dann nur noch morgens und abends etwas. Später dann nur noch am Abend. Diese Mahlzeit wird als Überlebensspritze bezeichnet.

Im Jahre 2003 konnten auf diese Art und Weise mehr als 25 junge Papageien und Sittiche aufgezogen werden. Zu ihnen zählten Braunkopf- und Rueppellspapageien, grüne Kongopapageien und Aymara Sittiche, sowie einige andere Arten

Die vorstehenden Beschreibungen entstanden aus einer Fülle an Erfahrungen, die in mehr als 30 Jahren gesammelt wurden. Es gab in den früheren Jahren herbe Rückschläge, aber mit den hier aufgezeigten Methoden und der Verbesserung des im Handel angebotenen Futters, sowie der verbesserten Technik im Bezug auf die Brut und Wärmeschränke sind keine Verluste mehr zu befürchten. Dieser Beitrag soll vor allem den jungen Züchterkollegen die Angst vor einer Handaufzucht nehmen. Bei Beachtung aller Möglichkeiten wird einer plötzlich notwendigen erfolgreichen Handaufzucht nichts negatives mehr im Wege stehen.

Karl Hams

Geschrieben: Rolf Kamperschroer

 

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