Pap Weißstirnamazone 2017-04-19T22:18:53+00:00

Pap Weißstirnamazone

 

Es gibt zwei Unterarten:
Amazona Albifrons Saltuensis und
Amazona Albifrons Nana

Zunächst eine kurze Beschreibung der Nominatform Albifrons Albifrons:
Sie ist etwa 26 cm groß und wie die meisten Amazonen hauptsächlich Grün. Seinen Namen verdankt der Vogel dem weißen Fleck auf der Stirn. Hinter dem Fleck verläuft die Farbe von matt blau bis zum satten Grün. Rund um die Augen ist ein dunkles Rot zu sehen, ebenso wie in den Ansonsten hellgrünen Schwanzfedern. Bei diesen Amazonen gibt es einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, die Hähne haben wesentlich höheren Anteil rot auf den Deckfedern der Flügel. Die Schlagfedern sind von einer wunderschönen grünen Farbe, die in ein sattes Blau übergeht. Der Schnabel ist hornfarbig gelb. Bei Jungvögeln können anstelle der weißen auch gelbe Federn auf der Stirn vorkommen. Je älter die Tiere werden, um so mehr verschwinden aber die gelben Anteile im Kopfgefieder. Die Unterscheidung der Geschlechter ist meist schon im Nest möglich. Das Verbreitungsgebiet reicht vom zentralen Mexiko bis nach Guatemala.

Albifrons Saltuensis
Auch diese Amazone ist etwa 26 cm groß. Die Beschreibung ist wie bei der Albifrons Albifrons, jedoch das Blau im Nacken ist wesentlich tiefer und verläuft langsam zum Grünen hin. Ihr Verbreitungsgebiet ist das Kleinste und befindet sich im Nordwesten von Mexiko zur Grenzregion mit Arizona und Sonara. Verschiedentlich wird sie auch Sonara Weißstirnamazone genannt.

Albifrons Nana, auch kleine Weißstirnamazone genannt
mißt nur 24 cm in der Größe. Ihre Farben sind die gleichen wie die der Nominatform Albifrons Albifrons. Sie hat das größte Verbreitungsgebiet, von Zentral Mexiko bis nach Costa Rica. Verschiedentlich wurden überlegungen angestellt, ob es noch eine dritte Unterart geben würde:

Amazona Xantholora,
es gab dann aber einige Unterschiede, die sich nicht mit der Eingruppierung als Unterart rechtfertigen ließen:
geringe Farbabweichungen wie zum Beispiel dass die grünen Federn fast allesamt schwarz umrandet sind, (wie bei den Tucuman Amazonen) und zwischen dem Schnabel und dem weißen Band gibt es einen gelben Streifen. Das Verbreitungsgebiet der Xantholora Amazone reicht vom Nordwesten Mexikos bis nach Yucatan, Belize im Norden, sowie dem Osten Guatemalas bis Britisch Honduras. Oft sind sie in kleineren Gruppen mit den Albifrons Nana unterwegs. Durch die verschiedenen Kennzeichen sind die Xantholora Amazonen letztendlich doch als eine eigene Art beschrieben worden.

Lebensraum
Die Amazonen kommen sowohl im Regenwald, wie auch in sehr dürren Gebieten vor, aber auch in Niederungen des Hochgebirges und in stark bevölkerten Gegenden sind sie zu Hause. Ihre Nahrung besteht aus allerlei Sämereien, Nüssen Beeren und Früchten. Da diese Arten ein sehr großes Verbreitungsgebiet mit sehr unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen haben, kann man nicht von einer festen Brutzeit sprechen. Die Zeit der Jungenaufzucht variiert von Februar bis November.

Haltung und Zucht
Ein Züchterkollege erzählte mir von seinen Erfahrungen mit der Unterart Albifrons Nana. Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bekam er von einem Kollegen ein Paar Albifrons Nana, es waren Geschwister. Nach Aufgabe mehrerer Anzeigen in verschiedenen Zeitschriften konnte er mit keinem anderen Züchter einen Tausch vereinbaren und so erhielt er ein blutsfremdes Paar. Auch wenn vielerorts gesagt wird, dass in der ersten Generation Bruder und Schwester Junge bekommen könnten, ohne Gefahr zu laufen, dass es zu degenerativen änderungen kommt, sollte immer auf möglichst breit gefächerte Blutlinien geachtet werden. Wer weiß denn schon sicher, ob nicht die Eltern und Großeltern auch schon Geschwister waren. Nach einer Quarantäne von drei Wochen wurden die Vögel in eine Voliere mit den Maßen 1 x 2 x 2 Meter (Breite x Höhe X Länge) gesetzt. Daran schloß sich ein Nachtstall von 2 x 2 x 3 an. Die Tiere konnten über Tag stets von draußen nach drinnen, so wie es ihnen beliebte. Sie konnten sowohl die Sonne als auch den Regen genießen. Den Nachtstall beheizte er in den kalten Monaten, so dass dort immer eine Temperatur von etwa plus 10° Celsius herrschte. Ob die hohen Wärmegrade sein müssen, konnte er nicht sagen, aber für das Wohlbefinden und die nachfolgend beschriebene Zucht ist es sicher von großem Vorteil. Die Vögel verbrauchen so zumindest keine Energie um sich selbst warm zu halten. Die Lichtverhältnisse waren im Innenraum bis etwa 22.00 Uhr taghell. Anschließend sorgte ein Notlicht für ein dämmriges Licht.

Futter
Als Basisfutter bekamen die Tiere ein Saatgemisch mit vielen verschiedenen Sorten, peinlich wurde darauf geachtet, dass kein Futter übrig blieb. Sonnenblumenkerne wurden gar abgezählt gegeben, um einer Verfettung zuvor zu kommen. Vier Tage die Woche bekamen die Vögel frisch hergestelltes Eifutter. Die Menge an Eifutter wurde vom Körnerfutter wieder abgezogen, um die Motivation zu steigern, Eifutter zu fressen. Durch das Eifutter wurden auch geraspelte Gemüsearten und Obststückchen gerührt. So konnte man sicher sein, dass das angeklebte Eifutter auch von den Tieren aufgenommen wurde. Die Vögel, die Eifutter gewöhnt sind, braucht man auf diese Art und Weise allerdings nicht zu überlisten. Die meisten Tiere sind sowieso gern bereit Eifutter auf zu nehmen. Zur Zeit der Jungenaufzucht wurde zweimal am Tag Eifutter gegeben. Als Gemüsearten gab er folgende: Salat, Endiviensalat, Möhren, Paprika Gurke und Mais. Apfel und Apfelsine, Birne und Kiwi und andere Obstsorten rundeten die Zusammenstellung des Futters ab. Vor Beginn der vermeintlichen Brutzeit vermischte er die Eifuttergaben zusätzlich mit gekeimten Sämereien. Die tägliche Gabe frischen Wassers wurde an zwei Tagen pro Woche mit etwas Multivitamin aufgepeppt. In der kühleren Jahreszeit wurde an zwei Tagen pro Woche der Speisezettel noch mit etwas Lori Brei erweitert. Zu jeder Zeit haben die Vögel Zugang zu einer Schüssel mit Grit und Magenkiesel. Um der Langeweile vorzubeugen bekamen die Tiere alle zwei Wochen frische Zweige, überwiegend Weide und Pappel. In all den Jahren hat er die besten Erfahrungen mit dieser Fütterungsmethode gemacht. Er steht neuen Futterarten auch aufgeschlossen gegenüber, jedoch, so meint er, soll man nicht allen neuen Futtermitteln blind vertrauen.

Zucht
Ein gut harmonierendes Paar hatte er sich zusammen getauscht. Die Beiden saßen fast immer zusammen, fraßen gemeinsam und kraulten sich. In der Voliere hatte er einen Natur Niststamm aufgehängt. Er war etwa 60 cm Hoch, und hatte einen Innendurchmesser von 24cm. Er nimmt stets die Länge der Vögel als Innenmaß für den Nistkasten. Ohne den Kasten abzunehmen, kann er bequem die Revisionsluke öffnen und das Innere beobachten. Erst vier Jahre nach dem Erwerb, an einem ersten August wurde das erste Ei gelegt, dem weitere drei, an jedem zweiten Tag gelegt, folgten. Voran gegangen waren einige Tage vermehrter Aktivitäten, der Hahn war sehr aufgeregt und trieb die Henne häufiger in die Nisthöhle. Nachdem das Gelege vollständig war, die Henne sich zum Brüten gesetzt hatte, beruhigte er sich langsam wieder. Regelmäßig verschwand auch er im Nistkasten um alles zu kontrollieren. Die Henne kam nur noch vereinzelt aus der Höhle, vornehmlich um sich zu entleeren. Nach etwa 10 Tagen kontrollierte er das Gelege und stellte fest, dass sämtliche Eier befruchtet waren. Das erste Küken schlüpfte am 29. August, die anderen folgten im Abstand von zwei Tagen. Als das erste Junge zwei Wochen alt war stellte er bei einer Kontrolle fest, dass die Kleinen kalt waren, etwa zwei Stunden später, bei einer erneuten Inspektion waren die Küken noch immer kalt. Er entschloß sich die kleinen Vögel aus dem Kasten zu nehmen und mit der Hand aufzuziehen. Wahrscheinlich wären die Jungen eingegangen, so aber hatte auch seine Frau riesigen Spaß an den Kleinen. Sie entwickelten sich zu prächtigen Amazonen.

Ein Jahr später begann die Zucht sechs Wochen früher, in dem Jahr bestand das Gelege allerdings nur aus drei befruchteten Eiern. Wieder etwa nach zwei Wochen fand er bei einer Kontrolle die Jungen kalt vor. Für einen der Kleinen kam bereits jede Hilfe zu spät, er starb noch am gleichen Tag. Die anderen wurden wieder mit der Hand aufgezogen. Ein Jahr später wurden die Vögel in eine andere Voliere mit den gleichen Maßen umgesetzt. Die Nisthöhle wurde gegen eine tiefere, etwa 90cm ausgetauscht. In dem Jahr begannen die Vögel bereits Anfang Februar mit dem Brutgeschäft. Aber erst am 15. Februar wurde das erste Ei gelegt. (Die Vögel, Hahn und Henne kommen während der Legezeit fast nicht aus dem Kasten). Wieder bestand das Gelege aus vier Eiern, woraus jedoch nur drei junge schlüpften. Ein großes Problem war in dem Jahr die Kontrolle des Geleges und anschließend der Jungen. Die Elterntiere attackierten den Züchterkollegen sofort, wenn er sich dem Kasten näherte. Als dann die Zeit gekommen war, um die Jungen zu beringen, legte er mehrere Ringe aus Draht in den Nistkasten um die Altvögel an den Schmuck zu gewöhnen. Als die Kleinen ihre Augen öffneten, wurden sie mit 7,5mm Ringen beringt. Nach etwa 50 tagen flogen die Jungtiere ohne Besonderheiten aus. An Gewicht brachten sie ungefähr 210 Gramm auf die Waage. Bereits im Nistkasten konnte man den Geschlechtsunterschied deutlich an den roten Daunenfedern sehen. Nach vielen anfänglichen Schwierigkeiten ist es letztendlich doch gelungen mit Hilfe einer anderen Voliere und vor allem eines tieferen Nistkastens die Jungen von den Eltern aufziehen zu lassen. Für den Züchterkollegen war es eine Augenweide, die Jungen Vögel ausfliegen zu sehen und zu beobachten wie sie sich entwickelten. Etwa sieben Monate nach dem die Jungen ausgeflogen waren, trennte er sie von den Eltern. Es gab zwar keine Probleme, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Aufgefallen ist ihm, dass die Jungtiere viel weniger Scheu sind als die Altvögel.

Schluß
Für die Zukunft wünscht er sich, dass möglichst viele Vogelzüchter eine große Population Nachzuchten großziehen, um allen Arten eine sichere Zukunft zu gewährleisten. Auf Wildfänge sollten wir möglichst verzichten. Wir sollten uns gegenseitig helfen, mit Zuchtberichten, austauschen von Tieren der gleichen Art und nicht auf Quantität, sondern auf Qualität Wert legen.

Text: Rolf Kamperschroer