Ex Schmetterlingsfink 2017-04-19T21:16:22+00:00

Ex Schmetterlingsfink

 

 

 

Habitat
Sein Lebensraum ist der südliche Zipfel Afrikas. Dort lebt er in offenem Grasland mit niedri-gem Gebüsch. Dieser Vogel ist sehr wärmebedürftig und anderen Prachtfinken gegenüber sehr friedfertig. Aus verschiedenen Quellen wurde ein Temperaturdiagramm von Afrika her-gestellt, um die Durchschnittstemperaturen der verschiedenen Regionen zu ermitteln. Nach diesem Diagramm herrscht im Verbreitungsgebiet eine Temperatur von 15 bis 25 Grad Celsi-us. Das heißt, die Vögel können den Sommer über ruhig in einer Außenvoliere fliegen.

Von einem Bekannten erfuhr ich, dass er bei einem Händler, während einer Vogelbörse ein Paar dieser hübschen Vögel erworben hatte. Fortan beobachteten wir die Tiere und rangen uns zu einem Zuchtbericht durch.
Die Vögel wurden in eine Zuchtbox mit den Maßen 100x50x50 cm, gesetzt. Da diese Box nur als Eingewöhnungsbox gedacht war, war die Einrichtung nicht gerade sehr komfortabel, sie bestand aus zwei Stangen, die quer von einer Seitenwand zur anderen befestigt waren. Ein Nestkörbchen um als eventuelle Schlafgelegenheit zu dienen, wurde zudem aufgehängt.

Futter
Als Futter kamen Exotenfutter kleinkörnig, rote Kolbenhirse, getrocknete Fliegenmischung, getrocknete Ameiseneier und Quiko Eifutter zum Einsatz, außerdem stand auch immer ein Schälchen mit Grit zur Verfügung. Das Wasser wurde einmal pro Woche mit Multi Vitami-nen der Fa. De Imme angereichert.

Beschreibung und Vergleich
Als die Vögel eingesetzt worden waren, konnten wir sie erst einmal in Ruhe betrachten und mit den anderen beiden Arten vergleichen. Es fiel sofort auf, dass die Unterschiede, vor allem des Weibchens zu der Art Uraeginthus bengalus nur sehr gering waren. Das Gefieder der U. angolensis ist etwas matter und geht etwas mehr ins blaugrüne, was allerdings auch eine indi-viduelle Färbung sein kann. Der einzige wirkliche Unterschied, den wir erkennen konnten, war der, dass die U. bengalus ein längeren und schmaleren Schnabel besitzt, während der Schnabel bei U. angolensis kegelförmiger ist und mehr ins Violette tendiert. Der Unterschied zur Rasse U. cyanocephalus (Blaukopf-Schmetterlingsfink) ist bei genauerem Beobachten leicht anhand der Größe festzustellen. Der Hahn von U. angolensis ist wiederum durch den nicht vorhandenen Wangenfleck von U. bengalus bzw. durch seine Größe von U. cyanocepha-lus zu unterscheiden. Das Männchen hat ein leuchtend blaues Gefieder. Die blaue Färbung am Kopf erstreckte sich im weit über die Stirn hinaus. Zuerst vermuteten wir einen zu kleinen Blaukopfschmetterlingsfinkenhahn. Als die Vögel zum Vergleich nebeneinander gesetzt wur-den, konnten jedoch deutliche Unterschiede in der Färbung; Größe und Schnabelfarbe bzw. Schnabelgröße ausgemacht werden. Dies ist anhand von Fotos sehr gut nachzuvollziehen. Das heißt also, dass die Blaufärbung am Kopf als eine individuelle Farbvariante des Angola-schmetterlingsfinken anzusehen ist.

Balz und Brut
Nach etwa vier Wochen Eingewöhnungszeit, begannen sich die Vögel unerwartet für das Nestkörbchen zu interessieren. Außerdem balzte der Hahn mit einer Feder im Schnabel das Weibchen an. Der Hahn hüpfte dabei, ohne die Stange loszulassen, auf und ab, warf den Kopf nach hinten und sang. Ich ließ sie gewähren, glaubte zwar nicht an einen Erfolg, gab aber trotzdem Nistmaterial in den Käfig. Das Nest wurde mit langen Kokosfasern ausgebaut, der Anflug wurde mit einer langen, nach unten gebogenen Anflugröhre versehen. Ca. eine Woche nach Fertigstellung des Nestes war zu beobachten, dass das Weibchen abends aufgeplustert, schwer atmend und mit dickem Hinterleib auf der Stange saß. Das Weibchen legte im tägli-chen Abstand 4 Eier und bebrütete das Gelege fast allein. Lediglich, wenn es zum Entleeren, bzw. zur Nahrungsaufnahme das Nest verließ, schlüpfte der Hahn kurz zum Gelege. Die Hen-ne saß sehr fest und ließ sich nur mit sanfter Gewalt vom Nest vertreiben.

Aufzucht der Jungen
Nach 15 Tagen Brutdauer waren vier Jungtiere geschlüpft, die Jungen waren schwarz und hatten nur sehr wenig Flaum auf dem Kopf. Neben dem schon genannten Futter wurden nun auch noch gefrorene Ameisenpuppen und lebende Buffalowürmer gereicht, die auch begierig aufgenommen werden. Außerdem wurden Vogelmiere und Blätter vom Bubikopf als Grünfut-ter angeboten. Die Jungtiere wurden von beiden Elternteilen zuverlässig gefüttert. Der Hahn wurde zum Füttern der Jungtiere im Nest geduldet.
Das Weibchen verließt schon vier Tage nach dem Schlupf für Stunden das Nest, die Jungen waren bei einer Kontrolle sehr klamm und schlaff. Um den Jungen eine Unterkühlung zu er-sparen, wurde ein Infrarot-Dunkelstrahler im Abstand von 20 cm auf das Nest gerichtet. Die Jungtiere erholten sich innerhalb von Minuten, und bei der nächsten Kontrolle ca. eine Stunde später waren sie schon wieder sehr lebhaft und die Kröpfe waren prall gefüllt..
Am 6. Tag wurden die vier Jungen 2,2mm Ringen beringt. Am 16 Tag verließen die Jungen das Nest. Die Elterntiere waren zu dieser Zeit sehr aufgeregt und versuchten, die Jungen ins Nest zurück zu locken, was allerdings Misslang. Die jungen Vögel waren anfangs sehr schreckhaft, was sich durch panisches Herumflattern im Käfig ausdrückte. Sie kehrten aber nicht mehr ins Nest zurück.

Die zweite Brut
Das Weibchen begann nach etwa 4 Wochen erneut mit dem Legen, so dass die verbliebenen Jungen entfernt werden mussten, da der Hahn ihnen gegenüber aggressiv wurde.
Aus der zweiten Brut, schlüpften drei Jungtiere. Die Jungtiere wurden alle zusammen in eine „Flugvoliere“ gesetzt. Interessanterweise fütterten die Jungvögel aus der ersten Brut die jün-geren Geschwister So schreckhaft die Jungvögel auch in der erste Woche nach dem Ausflie-gen waren, so zutraulich und neugierig wurden sie später. Leider verstarben während der Mauser aus unerklärlichen Gründen und abwechslungsreicher Fütterung drei der Jungtiere, die verbliebenen Jungtiere stellten sich als Hähne heraus. Die Kopffarbe der durchgefärbten Jungtiere unterschied sich stark von der des alten Hahns. Bei den jungen Hähnen ist das Blau am Kopf nur wenig über die Stirn hinaus ausgeprägt. Die jungen Hähne begannen sich nach einem halben Jahr zu bekämpfen, so dass ich sie getrennt werden mussten. Im Herbst wurde aus Platzmangel einer der Hähne verkauft. Nach etwa anderthalb Jahren, begann sich das Kopfgefieder des jungen Hahnes zum Hinterkopf hin blau zu färben.

Fazit
Der Schmetterlingsfink ist ein sehr liebenswerter Vogel, der mittlerweile einen festen Platz in den Volieren der Züchter eingenommen hat. Die hübschen Farben, die relativ leichte Zücht-barkeit und der erschwingliche Preis, lassen vermuten, dass seine Rasse als gesichert angesehen werden kann.

Text: Rolf Kamperschroer